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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nun ist schon wieder ein Jahr vergangen - wir freuen uns, noch ein letztes Mal aus unserer Forschungsklinik zu berichten. Wir haben einige neue klinische Angebote, darunter eine Gruppentherapie für Mediennutzung und Aufgabenvermeidung und eine unterstützende Gruppentherapie für Patient*innen während einer Elektrokonvulsionstherapie.

WIr berichten auch aus anderen Bereichen unseres Instituts: Ein Projekt zur Aufarbeitung unserer Geschichte steht in den Startlöchern. Außerdem geben wir Ihnen eine Übersicht neuester Forschungsergebnisse.


Wir wünschen Ihnen schöne Feiertage und einen guten Start in das neue Jahr! Im Januar freuen wir uns, Sie bei gleich zwei Veranstaltungen begrüßen zu dürfen - alle Informationen finden Sie rechts.

Mit vielen Grüßen

Prof. Dr. Peter Falkai
Ärztlicher Direktor

Dr. Dr. Florian Raabe
Leitender Oberarzt
EVENTS AM MPI:

Kongress der Deutschen Ärztlichen Gesellschaft für Verhaltenstherapie
Freitag, 16.1.2026
14:00 - 18:00 Uhr
Alle Infos hier!


Neujahrssymposium

Samstag, 24.1.2026
8:30 - 13:45 Uhr
Vorträge und interaktive Workshops zu neuen Entwicklungen in der Psychiatrie. Zur Anmeldung geht es hier!

Inhalt

1. Gruppentherapie Mediennutzung & Aufgabenvermeidung
2. CHANGE für junge Patient*innen
3. Gruppentherapie für Patient*innen während EKT
4. Sprechstunde zur Früherkennung kognitiver Störungen
5. UNDER DE:CONSTRUCTION - Historische Aufarbeitung am MPI
6. Translational Retreat
7. Neues aus der Forschung

Gruppentherapie Mediennutzung & Aufgabenvermeidung

Für unsere komplex-psychiatrische Station mit Suchtschwerpunkt fehlte bisher ein spezifisches Behandlungsangebot bei übermäßigem Medienkonsum im Kontext einer anderen akuten Störung. Psychologin Dr. Helena Kaltenegger und Oberarzt Dr. Philipp G. Sämann haben deshalb das Manual „Mediennutzung und Aufgabenvermeidung“ entwickelt. Es umfasst acht Sitzungen, fünf davon zum Medienkonsum. Hier greifen Therapeut*innen Probleme im Umgang mit Computerspielen, der Nutzung sozialer Medien, Online-Pornographie, Kauf- und Glücksspielsucht sowie die undifferenzierte Internetznutzungsstörung auf. Die restlichen Sitzungen beschäftigen sich mit dem Thema Prokrastination. 

Patient*innen können lernen, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren, Informationen zur Medienabhängigkeit und Aufgabenvermeidung erhalten und motiviert werden, ihr Verhalten zu verändern. Dafür vermittelt das Team ihnen Strategien.

Kontakt: saemann@psych.mpg.de

Ein KI-animiertes Bild zeigt eine junge Frau im Seitenprofil. Sie hält ein Gerät zur Vagusnervstimulation in der Hand, welches mit ihrem Ohr verbunden ist.

CHANGE für junge Patient*innen

Die MPI-Kolleg*innen, die das Angebot für junge Erwachsene auf unserer Transitionsstation aufgebaut haben, merkten schnell, dass es kein spezifisches, standardisiertes psychotherapeutisches Verfahren gibt, das speziell die Bedürfnisse der 18- bis 25-Jährigen anspricht. Diese Phase ist besonders geprägt durch zahlreiche Veränderungen und Entwicklungsherausforderungen. So haben federführend Oberärztin Dr. Claudia Leucht und Assistenzarzt Dr. Natan Yusupov CHANGE - „Create Health in Adolescence for New and Genuine Experiences“ entwickelt. 
Ein Foto des Tagklinik-Raums: Ein heller Raum mit vielen bunten Sesseln, die im Kreis aufgestellt sind.

Das Manual setzt sich aus vier Modulen zusammen: Psychoedukation; Suizidalität; Medien-, Computer- & Internetabhängigkeit; Kommunikation. Ziele sind, den Patient*innen Wissen sowie neue Techniken und Strategien zu vermitteln, Fallbeispiele zu liefern, einen persönlichen Bezug herzustellen, Übungen bereitzustellen und die eigene Selbstwirksamkeit zu stärken. Das Manual wird auf der Transitionsstation sowie in der neuen Tagklinik für Transition eingesetzt.

Kontakt: claudia_leucht@psych.mpg.de

Gruppentherapie für Patient*innen während Elektrokonvulsionstherapie

Die moderne Elektrokonvulsionstherapie (EKT) gilt als eine der wirksamsten Behandlungsoptionen bei schwerer und/oder therapieresistenter Depression. Trotzdem ist die öffentliche Wahrnehmung der EKT negativ geprägt, etwa durch die Darstellung in Filmen. Patient*innen sind oft unzureichend aufgeklärt und begegnen einer EKT deswegen mit Angst und Unsicherheit. Clinician Scientist Dr. Iven-Alex von Mücke-Heim hat mit seinem Team nun das erste deutschsprachige Manual zur begleitenden Gruppentherapie für EKT-Patient*innen entwickelt. Es übermittelt Fakten zur Therapieform und schafft Raum, um über Ängste und Vorurteile zu sprechen. 

Das Manual sieht vier Sitzungen innerhalb von vier Wochen mit bis zu acht Teilnehmenden vor. In den Sitzungen wird über die Anwendung, Wirkweise und Sicherheit der EKT und den Umgang mit neurokognitiven Nebenwirkungen gesprochen. In der letzten Sitzung haben Patient*innen die Möglichkeit, einer EKT-erfahrenen Person Fragen zu stellen.

Kontakt: iven_muecke-heim@psych.mpg.de

Ein KI-animiertes Bild zeigt eine junge Frau im Seitenprofil. Sie hält ein Gerät zur Vagusnervstimulation in der Hand, welches mit ihrem Ohr verbunden ist.

Sprechstunde zur Früherkennung kognitiver Störungen

Beim Wandern den Weg nicht mehr finden, oder ein altbekanntes Rezept vergessen – wenn plötzlich auftretende Beeinträchtigungen über den normalen geistigen Abbau im Alter hinausgehen, können sie auf den Anfang einer kognitiven Störung hinweisen. Neue Therapien können den Verlauf von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer verlangsamen – dafür ist eine frühzeitige Diagnose wichtig.

Ein KI-animiertes Bild zeigt eine junge Frau im Seitenprofil. Sie hält ein Gerät zur Vagusnervstimulation in der Hand, welches mit ihrem Ohr verbunden ist.
Unsere neue Gedächtnissprechstunde richtet sich deswegen an Personen mit leichten kognitiven Problemen. Durch die Anbindung an unsere Forschungsklinik können wir Patient*innen ein breites Spektrum an Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten bieten, wie zum Beispiel die neu zugelassenen Antikörpertherapien (Lecanemab, Donanemab), die auf Amyloid, ein Kennzeichen der Alzheimer-Erkrankung, abzielen. Alle Patient*innen sind außerdem eingeladen, an unseren Studien zu neuen Biomarkern (zum Beispiel Pupillen-Messungen, MRT-Messungen, Blutwerte) teilzunehmen. In Einzelgesprächen beantworten wir nach Bedarf und Wunsch Fragen zur Gesundheitsförderung des Gehirns und unterstützen bei Themen wie der Verunsicherung durch die Diagnose, Depression und Zukunftsängsten.

UNDER DE:CONSTRUCTION - Historische Aufarbeitung am MPIP

Unser Institut wurde 1917 als Deutsche Forschungsanstalt für Psychiatrie gegründet. Es war damals ein innovatives, interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung psychischer Erkrankungen – im Kern also gar nicht so unterschiedlich zum Institut heute. Aber: Damals sollten neue Forschungserkenntnisse nicht der gesamten Gesellschaft zugutekommen. Sie sollten stattdessen dazu dienen, ein gesundes „deutsches Volk“ zu schaffen, von dem viele gesellschaftliche Gruppen ausgeschlossen blieben.

Mit dieser Ausrichtung hat Gründer Emil Kraepelin den Grundstein dafür gelegt, dass die Forschung des Instituts ab 1933 in vielen Punkten anschlussfähig für die Politik der Nationalsozialist*innen war. Unter seinem Nachfolger Ernst Rüdin kooperierten zahlreiche Ärzt*innen und Forschende unseres Instituts mit dem NS-Regime, so waren sie an Zwangsterilisationen beteiligt. Auch wussten sie um die sogenannte „Euthanasie“, die Ermordung von Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Behinderungen, legitimierten diese wissenschaftlich und profitierten von ihr. Tausende Gehirnpräparate von Ermordeten gelangten an das Institut und wurden dort für Forschungszwecke missbraucht – auch nach 1945, wie ein externes Historikerteam im Auftrag der MPG recherchiert hat.

Ein Foto des Tagklinik-Raums: Ein heller Raum mit vielen bunten Sesseln, die im Kreis aufgestellt sind.
Die problematische Geschichte unseres Instituts wird von Historikerin Anna Greithanner und ihrem Team aufgearbeitet: ​​​​​​​​Im aktuellen Projekt „UNDER DE:CONSTRUCTION“ werden bestimmte Orte im Institut markiert und kontextualisiert, um im Arbeitsalltag zum kritischen Nachdenken über die Geschichte einzuladen. Die erste Station entsteht an der Büste von Emil Kraepelin im Foyer des historischen Gebäudes, im Bild zu sehen.

Stärkerer Fokus auf Translation

Durch die enge Verbindung von Grundlagenforschung und psychiatrischer Klinik verfügt unser Institut über besondere Voraussetzungen für erfolgreiche translationale Forschung. Um diesen Fokus weiter zu vertiefen, kamen bei einem Translational Retreat Ende Oktober Forschende und Ärzt*innen im Schloss Fürstenried zusammen. Bei diesem inspirierenden Treffen wurde auch deutlich, dass die Kommunikation zwischen Forschung und Klinik kontinuierlich im Alltag verankert werden muss - durch regelmäßigen Austausch, Talkformate und digitale Infrastruktur. So möchten wir den Input von Forschenden in die klinische Praxis und umgekehrt weiter stärken.

Ein KI-animiertes Bild zeigt eine junge Frau im Seitenprofil. Sie hält ein Gerät zur Vagusnervstimulation in der Hand, welches mit ihrem Ohr verbunden ist.

Neues aus der Forschung

Digitaler Gehirn-Zwilling für die Psychiatrie

Im Projekt "Virtual Brain Twin" entwickelten Wissenschaftler*innen, geleitet von Max Planck Fellow Nikolaos Koutsouleris, ein digitales Abbild des Gehirns. Dieser Zwilling soll dabei helfen, die ersten Anzeichen einer Schizophrenie richtig zu deuten. Außerdem kann das Modell die Wirkung verschiedener Medikamente bei einem Patient oder Patientin simulieren und unterstützt Ärzt*innen so dabei, die wirksamste Therapie auszuwählen.

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Neuer Mechanismus für kognitive Störungen bei Schizophrenie entdeckt

Zusammen mit ihrem Team zeigten Direktor Peter Falkai und Projektgruppenleiter Florian Raabe, dass sich das genetische Risiko für Schizophrenie nicht nur in Neuronen, sondern auch in Oligodendrozyten erhöht. So konnten sie erstmals einen Mechanismus identifizieren, der hinter den kognitiven Störungen in der Schizophrenie steht.

Weiterlesen (oder links klicken, wenn Sie die Studie in Form eines englischen Comics erleben möchten)

Stresshormon hilft, Gehirn zu reparieren

Forschungsgruppenleiter Jan Deussing hat mit seinem Team einen Mechanismus entdeckt, der für den Schutz von Nervenzellen nach Verletzungen wichtig ist. Dies könnte für viele psychiatrische Erkrankungen relevant sein. Bei Verletzungen im Gehirn von Labor-Mäusen zeigt sich ein spezifischer Zelltyp, die Vorläuferzellen von Oligodendrozyten (OPCs), der sich vermehrt und zu Myelin-bildenden Zellen reift. Diese Zellen produzieren schnell das Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH), das eine entscheidende Rolle bei der Stressregulation spielt und die Wundheilung unterstützt. Der CRH-Rezeptor 1 beeinflusst die Reifung der OPCs und ist auch während der Gehirnentwicklung entscheidend für die Myelinisierung. Stress in der frühen Entwicklungsphase scheint das CRH-System in OPCs zu beeinflussen, was neue therapeutische Ansätze für psychiatrische Erkrankungen wie Depressionen eröffnen könnte.

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KI-Modell erkennt bei psychischen Erkrankungen Risiken für spätere Gewichtsveränderung

Oberarzt David Popovic und Wissenschaftlerin Adyasha Khuntia entwickelten mit ihrem Team ein KI-Modell, welches basierend auf der Gehirnstruktur das Körpergewicht vorhersagen kann. Mit diesem Modell konnten sie die Verbindung zwischen psychischen und metabolischen Erkrankungen bei Patient*innen mit Depression und Schizophrenie besser verstehen. 

Weiterlesen (oder links klicken, um das Video auf Englisch anzuschauen)

Bilderquellen
Titelbild: © kai otto architekten
Bild 1: © Farknot Architect for adobestock

Bild 2: © MPI Psychiatry
Bild 3: © istockphoto_Andreus
Bild 4: © istockphoto_AzmanL
Bild 5: Benno Pütz
Bild 6: © Erzbistum München und Freising 2025
Bild 7: © adobestock
Bild 8: © MPI Psychiatry
Bild 9: © MPI Psychiatry
Bild 10: © MPI Psychiatry

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