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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vor den Sommerferien senden wir Ihnen wieder Updates aus unserer Forschungsklinik. Wir stellen Ihnen gleich zwei klinische Studien vor, für die wir jetzt oder in naher Zukunft Teilnehmende rekrutieren: Einmal zur Behandlung von Rejection Sensitivity und einmal zur Depression im Kontext von Post-COVID.

Außerdem teilen wir Neuigkeiten aus der Forschung und blicken zurück auf ein ganz besonderes Highlight: Das Puppenspiel "F. Zawrel - erbbiologisch und sozial minderwertig" von Nikolaus Habjan, welches wir zusammen mit dem kbo-Isar-Amper-Klinikum in Haar auf die Bühne gebracht haben. 

Wir wünschen Ihnen einen schönen Sommer!

Mit vielen Grüßen

Prof. Dr. Peter Falkai
Ärztlicher Direktor

Dr. Dr. Florian Raabe
Leitender Oberarzt

Inhalt

  1. TrUST-Studie: Welche Behandlung bei Rejection Sensitivity?
  2. IMPACT-D+ Studie: Gehirnstimulation bei Depressionen und Post-COVID
  3. Puppenspiel beeindruckte Publikum
  4. Podcast: Warum reagieren wir unterschiedlich auf Stress?
  5. Neues aus der Forschung:
    1. Kognitive Symptome in der Schizophrenie biologisch erklärt?
    2. Langfristige Folgen von Kindheitstraumata verhindern

TrUSt-Studie: Individualisierte Behandlung bei Rejection Sensitivity

Die Rejection Sensitivity (RS), die erhöhte Angst vor tatsächlicher oder angenommener sozialer Ablehnung, steht bei der Arzneimittelstudie TrUSt im Mittelpunkt. Personen mit ausgeprägter RS wittern in Beziehungen, ob bei Familie, Freund*innen oder Partner*innen, schon beim kleinsten Anzeichen soziale Ablehnung. Das belastet das Beziehungserleben und erhöht die Wahrscheinlichkeit, affektive Erkrankungen wie Angst, Depression oder Zwang zu entwickeln. Besonders bei depressiven Menschen mit RS ist die Wahrscheinlichkeit einer Chronifizierung der Erkrankung höher.

Frühere Studien haben gezeigt, dass sozialer Schmerz, wie man ihn durch Ablehnung erfährt, neurobiologisch ähnlich wie physischer Schmerz vom Körper verarbeitet wird. Eine Hypothese ist, dass eine gestörte Opioid-Regulation bei der RS eine Rolle spielt. In einer randomisierten, doppel-blinden Studie wollen Forschende nun testen, ob man dieses Wissen nutzen kann, um Patient*innen mit RS besser zu behandeln: Teilnehmende bekommen sechs Wochen lang eines von zwei zugelassenen Antidepressiva, Escitalopram oder Tianeptin. Die Forschenden wollen so herausfinden, ob der Opioid-Agonist Tianeptin bei Patient*innen mit RS besser wirkt als das gängigere Escitalopram.

Rekrutierung für die TrUSt-Studie wird voraussichtlich im ersten Quartal von 2027 beginnen – teilnehmen können Patient*innen mit depressiven Symptomen, die anamnestisch noch keine oder eine geringe Vorbehandlung mit Antidepressiva haben. Durchgeführt wird die Studie kollaborativ von unserer Forschungsklinik und dem LMU Klinikum für Psychiatrie und Psychotherapie. Bei Fragen können Sie sich jederzeit an den Studienarzt am MPI, Manuel Egg, wenden.

Ein KI-animiertes Bild zeigt eine junge Frau im Seitenprofil. Sie hält ein Gerät zur Vagusnervstimulation in der Hand, welches mit ihrem Ohr verbunden ist.

Kontakt: Manuel Egg, manuel_egg@psych.mpg.de

IMPACT-D+-Studie: Gehirnstimulation bei Depressionen und Post-COVID

Bei der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) wird gezielt ein Magnetfeld eingesetzt, um bestimmte Bereiche des Gehirns zu stimulieren. Das nicht-invasive, gut verträgliche Verfahren wird schon erfolgreich genutzt um Depressionen zu behandeln, vor allem dann, wenn eine medikamentöse Behandlung nicht ausreicht.

Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass die rTMS entzündungshemmend wirken kann. Deshalb wollen Forschende an unserem Institut mit der IMPACT-D+- Studie nun untersuchen, wie sie bei Menschen mit Depression im Zusammenhang mit Post-COVID-19 wirkt. Dazu wird bei Teilnehmenden über maximal sechs Wochen tägliche rTMS durchgeführt, parallel zur laufenden Behandlung.

Teilnehmen können alle, die im Zusammenhang mit einer Post-COVID-Erkrankung depressive Symptome entwickelt haben. 

Ein KI-animiertes Bild zeigt eine junge Frau im Seitenprofil. Sie hält ein Gerät zur Vagusnervstimulation in der Hand, welches mit ihrem Ohr verbunden ist.

Puppenspiel beeindruckte Publikum

Am 28. Mai zeigte unser Institut zusammen mit dem kbo-Isar-Amper-Klinikum im Kleinen Theater Haar vor vollem Haus das Puppenspiel „F. Zawrel - erbbiologisch und sozial minderwertig“. Im Namen der sogenannten „Euthanasie“ wurden während des Zweiten Weltkriegs Menschen umgebracht, die von den Nationalsozialisten als „lebensunwert“ eingestuft wurden, darunter viele mit psychischen Erkrankungen. Autor und Puppenspieler Nikolaus Habjan erzählt die Lebensgeschichte von Friedrich Zawrel, der als Kind das „Euthanasie“-Programm in Wien überlebte. Zum Abschluss gab es minutenlangen Applaus vom sichtlich bewegten Publikum.

Auch an unserem Institut kooperierten Forschende mit dem NS-Regime. Sie wussten über die „Euthanasie“ Bescheid und profitierten von ihr: Sie forschten an Gehirnpräparaten der Ermordeten – auch nach 1945. Deshalb ist es für uns wichtig, unsere Geschichte kritisch aufzuarbeiten und immer wieder ins Gespräch zu bringen.

Ein KI-animiertes Bild zeigt eine junge Frau im Seitenprofil. Sie hält ein Gerät zur Vagusnervstimulation in der Hand, welches mit ihrem Ohr verbunden ist.

Warum reagieren wir unterschiedlich auf Stress? Podcast mit Mathias Schmidt

Zu Gast bei detektor.fm: Forschungsgruppenleiter Mathias Schmidt erklärt, warum manche Menschen Stress besser bewältigen als andere und wie die Behandlung stressbedingter Erkrankungen wie Depressionen und Angsterkrankungen in Zukunft individuell gestaltet werden könnte.

Ein KI-animiertes Bild zeigt eine junge Frau im Seitenprofil. Sie hält ein Gerät zur Vagusnervstimulation in der Hand, welches mit ihrem Ohr verbunden ist.

Neues aus der Forschung

Kognitive Symptome in der Schizophrenie biologisch erklärt?

In einer Ende März veröffentlichten Studie konnten Forschende erstmalig eine biologische Ursache für die kognitive Beeinträchtigungen in der Schizophrenie finden. Das Team um Projektgruppenleiter Florian Raabe und Michael Ziller von der Universität Münster hatte in einer zuvor publizierten Studie schon gezeigt: Neuronen, die aus Stammzellen von Schizophrenie-Patient*innen hergestellt wurden, wiesen Defizite in der Anzahl der Synapsen auf. In der aktuellen Studie kombinierten die Forschenden nun klinische mit zellulärer Information, um so Daten der gleichen Personen auf mehreren Ebenen zu analysieren. Das Ergebnis: Je stärker die Beeinträchtigung der Synapsen auf zellulärer Ebene, desto stärker die kognitiven Probleme. „Das ist der erste Hinweis darauf, dass die kognitiven Symptome bei Schizophrenie auf eine ganz konkrete biologische Ursache zurückgehen“, so Raabe.


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Langfristige Folgen von Kindheitstraumata verhindern

Frühe Belastungen wie Kindheitstraumata, Misshandlung oder Vernachlässigung sind Hauptrisikofaktoren für die spätere Entwicklung psychischer Erkrankungen. Um die Auswirkungen früher Belastung besser zu untersuchen, nutzte das Team um Forschungsgruppenleiter Mathias Schmidt und Juan Pablo Lopez vom Karolinska Institutet ein Mausmodell. Das zeigte: Gestresste männliche Mäuse wiesen Defizite im sozialen Verhalten auf, die sich unter anderem durch soziale Unterordnung zeigten. Die pharmakologische Hemmung des stressmodulierenden Proteins FKBP51 verhinderte diese sozialen Beeinträchtigungen aber vollständig – gestresste Mäuse, die diese Behandlung erhielten, unterschieden sich nicht von gesunden Kontrolltieren. FKBP51 ist somit ein vielversprechendes pharmakologisches Ziel, um dauerhafte Auswirkungen früher Traumata auf die Gehirnfunktion zu verhindern.


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Bilderquellen
Titelbild: © kai otto architekten
Bild 1: © ksyfffka07 for Pixabay

Bild 2: © MPI Psychiatry
Bild 3: © Thomas Aurin
Bild 4: © Marcin Biodrowski


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